HEALTH

Weg mit künstlichen Hormonen

Leise haben sich die Nebenwirkungen der Pille an mich herangeschlichen. Nun habe ich sie abgesetzt und erzähle in diesem ersten Teil weshalb und wie es mir jetzt damit geht.

*pictures by Dan Chitanta
Verhütung kann so individuell sein wie ein Haarschnitt. Jede Frau, jedes Paar handhabt es anders. Einige im Stillen für sich, andere vielleicht auf gut Glück. Und wiederum Viele ohne die Packungsbeilage zu lesen. Dabei wird doch immer darauf hingewiesen: Bei Risiken und Nebenwirkungen bitte lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker. Wenn ich eins versichern kann, dann, dass ich an einer Hand abzählen kann wie viele Packungsbeilagen ich in meinem Leben gelesen habe. Dieses Mal schlichen sich die Nebenwirkungen allerdings über mehrere Jahre an mich heran. Leise und geduldig in der Hoffnung unbemerkt zu bleiben.

Ungefähr 9 Jahre lang…

… fütterte ich meinen Körper eifrig mit künstlichen Hormonen. Es fing alles mit meiner ersten Menstruationsblutung an, die für lange Zeit auch meine letzte sein sollte. Monat um Monat wartete ich gespannt auf meine Tage. Nichts. Es folgte also der Gang zur Gynäkologin, die einige Tests und Abstriche machte. Ich habe zu viele männliche Hormone und sei viel zu schlank waren ihre Worte. Und somit zog die künstliche Hormonbombe bei mir ein. Ob wir glücklich waren? Total! Denn endlich hatte ich regelmäßig meine Blutung, wodurch ich mich so erwachsen gefühlt habe. Schließlich hatten damals fast alle Mädchen in meiner Klasse bereits ihre Periode. Heute kauere ich mit Kirschkernkissen und zwei Katzen auf der Couch – sehr erwachsen. Im Laufe der neun Jahre bemerkte ich immer mal wieder Veränderungen. Ich habe nie von der Pille zugenommen, habe keine größeren Brüste bekommen, keinen riesigen Po, Akne hatte ich auch nie und mein Teint war schon immer recht ebenmäßig. Äußerliche Veränderungen gab es dadurch also nicht.
Es waren viel mehr die emotionalen Veränderungen, die mich heimsuchten. Wie viele andere Frauen ebenfalls treffend beschreiben, war ich nicht mehr „Ich-selbst“. Eine Woche bevor ich meine Periode bekam, fing ich an bis in die Knochen emotional zu sein. Beim actionreichsten Film kamen mir die Tränen (ich habe sogar bei Transporter heimlich geheult, somebody please tell me why…). Träge- und Unwohlsein standen an der Tagesordnung und zwar vor, während sowie nach meiner Periode. Fast drei stressige Wochen. Darauf folgte eine Woche Ruhe, die keineswegs zur Erholung reichte. Wenn ich den Fehler machte eine Pilleneinnahme zu vergessen, dann strafte mich meine liebe Hormonbombe mit einer übertriebenen Empfindsamkeit gegenüber meiner gesamten Umwelt und mir selbst. Als es wieder mal einer dieser Tage war, geisterte in meinem Kopf nur eine Frage umher: Wie bin ich in meiner natürlichsten Art, frei von künstlichen Hormonen? Ich hatte das Gefühl mich selbst verloren zu haben. Oder noch schlimmer: vergessen.

Willkommen zurück, süßer Regelschmerz

Eins war mir klar, es musste kurzer Prozess gemacht werden. Nach etlichen Gesprächen mit Frauen, die bereits seit Jahren auf die Pille verzichten, habe ich den endgültigen Entschluss gefasst die Pille abzusetzen. Ohne, wie so oft, Ausreden zu finden, weswegen ich sie doch weiter nehmen sollte, sammelte ich meine Blister ein und verfrachtete sie in den Müll. Einwenig Angst hatte ich schon, denn viele Frauen berichten davon, über einen längeren Zeitraum hinweg ihre Periode nicht bekommen zu haben, da der Körper sich erst einmal umgewöhnen muss. Mein Gynäkologe des Vertrauens bestätigte das. Gleichzeitig war ich total aufgeregt, denn die Pille abzusetzen hieß für mich, dass ich meinen Körper neu kennenlerne. Halt so wie er wirklich ist. „Ich kann mich dem nicht entziehen, ich muss mich mit meinem Zyklus auseinandersetzen.“, dachte ich mir.

Mental darauf eingestellt mindestens drei Monate zu warten, wartete ich aufgeregt auf meine erste Menstruationsblutung ohne Pille. In der Zwischenzeit bemerkte ich emotionale Veränderungen. Ich hörte auf weinerlich zu sein, ich war weniger gereizt. Emotional pendelte sich schnell alles wieder ein. Irgendwie fand ich zu mir selbst, las mehr, schrieb mehr, liebte mehr. Es lag wirklich nicht an mir, sondern an der Pille. Dieses Wissen ließ mich mein Wesen nochmal neu entdecken. Allerdings schien es so, als hätte ich die emotionalen Beschwerden gegen Äußerliche eingetauscht. Mein Gesicht war plötzlich eine Pickelbrutstätte (okay, nicht ganz so schlimm, aber für meine Verhältnisse überdurchschnittlich viel), kleine Pickelchen nisteten sich auf meinem Rücken ein. Während meiner Periode, die genau einen Monat später eintraf und seither jeden Monat kommt, habe ich wieder Regelschmerzen. Schön stark, überaus intensiv. Krämpfe, die mich zum Weinen bringen, Migräne, die mir die Sonne verdirbt. Als weitere Nebenwirkung nach dem Absetzen, hat sich eine Zyste bemerkbar gemacht. Auch das ist völlig normal und kann sogar durch einige Pillen begünstigt werden. Dennoch bin ich glücklicher ohne Pille und denke, dass das für mich der richtige Schritt war. Wie es für mich weiterging nachdem ich die Pille abgesetzt habe, erfahrt ihr demnächst!

Lasst uns offen darüber reden: Nehmt Ihr die Pille? Oder habt ihr sie abgesetzt? Sowohl mit als auch ohne Pille: Welche Veränderungen habt ihr bemerkt, gab es vielleicht auch Negative?

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