lifestyle On my mind

#TheNameChangeSaga begins

Was machen, wenn der Name Unwohlsein auslöst, weil er mit negativen Emotionen besetzt ist, die man loslassen möchte? Öffentlich-rechtliche Namensänderung, ich komme. Und ich nehme Euch mit auf diese kafkaeske Odyssee.

Ein Name ist laut Duden die „kennzeichnende Benennung eines Einzelwesens, Ortes oder Dinges, durch die es von anderen seiner Art unterschieden wird.“ Macht Sinn, denn sonst würde jedes „Ey, du!“, durch den sprachlichen Wegfall des explizit benannten Subjekts, einen Zustand des temporären Chaos einleiten. Zum Glück haben wir Eltern, durch die diese Benennung nach unterschiedlichen Kriterien erfolgt. Eines dieser Kriterien könnte beispielsweise der Schutz vor institutionellem Rassismus oder Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt sein. Man versucht auch sein Kind vor Stereotypen zu schützen. Regel Nr. 1 in diesem Fall: Nenne dein Kind nicht Kevin, sonst ist ein Kevin-artiges Verhalten prädestiniert. Nenn’ es anders. Falls es ein Kevin-artiges Verhalten aufweist ist’s halb so wild – heißt ja schließlich nicht Kevin… oder Chantal.

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Namen sind identitätsprägend, identitätsbildend. Ein Stereotyp kann die gesamte Entwicklung eines Individuums in eine komplett andere Bahn lenken. Einzig und allein, weil die Gesellschaft zum Entschluss gekommen ist, Kevin, Chantal, Pascal oder Jaqueline seien das Paradebeispiel der Asozialität. Es gibt Millionen von Kevins und jeder dieser Kevins hat seine eigene Geschichte über das Dasein als Kevin zu erzählen. Und manchmal fühlt sich ein Kevin nicht wohl dabei ein Kevin zu sein, sondern wäre lieber ein Jonathan.

Mir geht es seit fast zwei Jahrzehnten so. Darf ich mich vorstellen? Bürgerlicher Name: Andrea Ivonne Weber. Ivonne mit I, nicht mit Y. Aber was ist nun das Problem mit diesem Namen und wieso nenne ich mich Tarilayu oder abgekürzt Tari? Und wann kam die erste Erkenntnis, dass ich mich mit meinem bürgerlichen Namen nicht wohl fühle? Diese Fragen und viel mehr werde ich in meiner Reihe #TheNameChangeSaga erklären. Natürlich behandle ich dann auch weitere Themen: Die kafkaeske Odyssee der öffentlich-rechtlichen Namensänderung, Kostenpunkt, Frage nach psychologischen Attesten und alles weitere was ich auf dieser Reise erlebe, erlebt habe oder Euch interessiert.

Bevor ich Schritt für Schritt in die Vergangenheit reise, erfahrt Ihr zunächst einmal den allgemeinen Hintergrund. Habe ich mir diesen neuen Namen ausgedacht und mich selbst so benannt? Nein, das habe ich nicht. Meine Mutter hat mir (und meinen Brüdern) einen heimischen, nigerianischen Namen für’s Leben mitgegeben, der uns immer an unsere Wurzeln erinnern soll. Der einzige Haken an der ganzen Sache ist, dass er nicht in meinem Ausweis steht. Das machte die Frage nach der Identität lange Zeit umso schwieriger, denn wer hat schon Lust seinen Dozenten oder Arbeitgebern zu erklären, weswegen man nicht Andrea oder Ivonne genannt werden möchte, sondern Tari. Und das jedes Mal auf’s Neue.
Nicht nur Andrea und Ivonne müssen das Spielfeld für Tari räumen. Aus Weber wird Dressman. Während mein Vorname eine Frage der Identifikation ist, ist mein Nachname eine Frage der Zugehörigkeit. Mein Vater ein Weber, sein Vorname Andreas. Meine Mutter und meine Brüder teilen denselben Nachnamen, ich bleibe in dieser Hinsicht ausnahmsweise mal außen vor. Denn auf dem Papier bin ich eine Weber. Ich gehöre zu jemandem, der sich seiner Zugehörigkeit mir gegenüber nicht länger bewusst ist. Ich gehöre zu jemandem, der nicht stark genug war, Teil meines Lebens zu bleiben. Zumindest auf dem Papier. Und selbst das verdient Mann nicht.

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tari-model

styling and photography by Nona Van de Peer

4 Kommentare

  1. Tari, 1.: Deine Bilder – wie schön kann man eigentlich sein?
    Und 2.: Ich kann das mit dem Namen total nachvollziehen, habe auch einen sehr deutsch klingenden Namen dafür jedoch überhaupt keine deutschen Wurzeln, nur hab ich bis jetzt keinen Namen gefunden mit dem ich mich zu 100% identifizieren kann :/ Ich wünsche dir viel Erfolg und hoffentlich wenig Stress bei der Namensänderung ❤

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    1. danke danke danke, Kate!
      Den Namen „Kate“ finde ich super schön, aber ist wahrscheinlich eine Abkürzung für den so deutsch klingenden Namen. Ich kann das völlig nachvollziehen! Mit „Andrea“ habe ich genau dasselbe Problem und das macht es für mich ebenfalls schwer im Hinblick auf Identifizierung. Schon Wahnsinn, was ein Name ausmachen kann, oder? :-/
      Vielen lieben Dank für’s Mut machen! Der nächste Beitrag kommt wahrscheinlich schon Ende der Woche 😉

      Liebe Grüße aus Dortmund ❤

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  2. Hey Tari 🙂
    Ich bin schon gespannt auf die folgenden Beiträge. Das Thema klingt super interessant.
    Obwohl „Andrea Ivonne Weber“ ein schöner Name ist, finde ich den Namen „Tari(layu)“ für dich auch viel passender. Was bedeutet er eigentlich?

    Ich zum Beispiel trage einen germanischen Namen (die Geschichte dahinter ist zwar sehr schön), aber trotzdem mache ich meinen Eltern immer Vorwürfe, weil ich keinen afrikanischen Vornamen habe. Mein selbstgewählter Name ist daher „Elikya“, was“Hoffnung“ auf Lingála bedeutet.

    Liebe Grüße, viel Erfolg und Durchhaltevermögen bei deinen Behördengängen!
    Hella ❤

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  3. Danke, Liebes!
    Ich glaube, dass ich unter anderen Umständen kein Problem mit dem Namen gehabt hätte.🤔 Tarilayu bedeutet soviel wie „Geschenk/Segen Gottes“

    Das kenne ich zu gut, ich finde es schwierig keinen nigerianischen Namen im Pass stehen zu haben, deswegen jetzt der Kampf darum. Im Nachhinein hat es natürlich viel mit der Identifikation und ich fühl mich eben null wie Andrea 😂Mit Elikya hast du eine unfassbar schöne Wahl getroffen. Sowohl Hella als auch Elikya klingen total majestätisch😍
    Good night & sag gerne bescheid, solltest du irgendwann mal wieder in der Heimat sein :-*

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