Zurück nach Nigeria

Nach 15 Jahren geht es zurück in das Land, wo ich meine Wurzeln habe. In ein Land, das die romantische Geschichte einer jungen Journalistin schreibt, die sich in einen Mann verliebt, der sie einige Jahre später verlassen wird. Zurück in ein Land, das durch Medien unterentwickelt und barbarisch dargestellt wird. In meinem Kopf schwirren Fragen, mein Magen zieht sich seit Tagen krampfartig zusammen und ich könnte mich vor Aufregung übergeben. Ich fliege zurück in ein Land, das ich seit 15 Jahren nicht mehr gesehen habe. Meine Erinnerungen daran sind verblasst. Doch obwohl ich seit über einem Jahrzehnt nicht mehr in Nigeria war, ist es dennoch Heimat für mich.

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Home is where your heart is

Warum ich eine so starke Bindung zu Nigeria habe ohne dort überhaupt aufgewachsen zu sein, liegt an meiner Mutter. Wächst man die meiste Zeit seines Lebens mit nur einem Elternteil auf, dann entwickelt sich eine ganz andere Art von Bindung. Der/die Alleinerziehende nimmt die Rollen beider Elternteile an. Diese Doppelfunktion hat meine Mutter mit Bravur geleistet. Mütter sind Frauen mit einer persönlichen Geschichte und Vergangenheit. Sie lieben, sie werden verletzt, sie lachen, weinen und man glaubt es kaum aber: Manchmal herrscht bei ihnen auch ein Gefühlschaos.
Da ist es gar nicht so leicht altruistisch zu handeln. (Shoutout to my Mum, love you lots!)
Auf einfühlsame Weise zeigte sie mir beide Kulturen wertzuschätzen und als Eigen anzunehmen. Wir würzen unser Essen letztendlich auch nicht nur mit Salz, sondern mit einer Vielzahl anderer Gewürze. Dadurch erschaffen wir ein Geschmackserlebnis der besonderen Art (da hat wohl jemand Hunger…).
Anders als viele Hierlebende afrikanischer Herkunft (ich versuch mich so politisch korrekt wie möglich auszudrücken, was gar nicht mal so leicht ist) , bin ich nicht hier geboren. Dadurch entstand bei mir zusätzlich eine andere Wahrnehmung von Heimat, die mit dem Bedürfnis der Bestätigung einhergeht.

Gemischte Gefühle?

Vielleicht begebe ich mich auf die Reise, weil ich Bestätigung brauche. Sieht mich mein Heimatland denn auch als Teil von sich? Wird meine jahrelange Liebe nun endlich erwidert? Bin ich dort zuhause oder bleibe ich nur ein Gast auf der Durchreise?
Mich interessiert natürlich nicht nur so ein melancholischer Kram. Ich frage mich unter anderem auch wie meine Haare und Haut auf das Klima reagieren.
Doch die Frage aller Fragen bleibt: Was erwartet mich am Flughafen? Ich habe eigentlich kein Problem damit alleine zu fliegen. Seit meine Mutter mir 2000 Naira (umgerechnet ca 5€) als „Belohnungsgeld“ (Bestechung klingt viel zu böse) mitgegeben hat, bin ich auf jedes Drama eingestellt.
Abgesehen davon habe ich gar nicht so viele gemischte Gefühle. Vorfreude und Aufregung treffen es wohl eher. Ein wenig verärgert bin ich nach dem letzten Wetterupdate auch etwas: Es steht Regen an – meinen gesamten Aufenthalt über. Such a sad thing…

Stay tuned!

 

Pictures by Jan-Philipp Behr

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